Sonntag, 18. November 2018

NIGHTMARE



Mein Gesichtsausdruck gleicht der eines Menschen, der dem Tod gegenübersteht. Jemand packt mich am Unterarm und schüttelt mich. "Jasmin, ist alles in Ordnung? Du siehst grauenhaft aus!" Ich reagiere nicht, ich bin in einem Film. In meinem persönlichen Horrorstreifen. Ich werde aus dem Geschäft geführt und ins Auto verfrachtet. Unkontrollierbares Zittern erfasst meinen gesamten Körper, ich sehe verschwommen. Schluchzend sitze ich da, unfähig überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen.
Kurze Zeit später sitze ich alleine im Auto auf einem Parkplatz. Es ist dunkel draußen. Bilder blitzen auf, ich schlage meine Hände vor das Gesicht. Und verfalle in die Hysterie - schreie auf. "Mama!", "Mama!". Immer wieder sitze ich schreiend da, in mir zusammen gesunken. Plötzlich steht meine Mutter neben dem Auto und nimmt mich in den Arm. "Er hat mir alles genommen, einfach alles!" - "Nein, hat er nicht Jasmin. Er hat uns beide nicht entzweit, wir bleiben immer bei dir!" Wimmernd sitze ich da, ein Häufchen Elend. "Doch, er hat alles genommen!", brülle ich.

Die Klinik ruft.

Dienstag, 13. November 2018

IRRGARTEN




"Darf ich denn bei dir schlafen?" - "Natürlich darfst du das, Baby." Deine Zähne blitzen auf, deine blauen Augen zwinkern mir zu. Diese Stimme, deine Stimme - wie könnte ich sie je vergessen? Kurze Zeit später finde ich mich auf deiner Brust wieder, dein Arm ruht auf mir. Dein Atem geht ruhig, doch ich weiß genauso gut wie du, dass niemand von uns beiden schläft. Und in diesem Moment wird mir klar, dass ich dir wieder vollkommen ausgeliefert bin, gefangen in deiner trügerischen Aura, nach deiner Liebe buhlend. Und auf einmal finde ich mich in diesem Alltag wieder - und dich kalt wie immer. Doch dies kann nicht sein. "Wie kannst du nur, ich liebe dich doch!", schreie ich. Deine Miene bleibt kalt und unbewegt. Was kann ich auch anderes erwarten? Und plötzlich fühle ich deine Hände auf mir, in mir. 
Ein irrer Schrei lässt mich erwachen - ich liege schweißgebadet in meinem Bett. Verflucht, weshalb habe ich meine Schlaftabletten nicht genommen?!, knurre ich mich innerlich schwer keuchend an. Dann wärst du mir wenigstens nicht in der Nacht begegnet, sondern nur am Tage in allen Dingen und Gedanken versteckt. 


Am Nachmittag sitze ich apathisch da, starre in den Spiegel vor mir. Ich erkenne mich nicht mehr. Fünf Minuten verstreichen, danach weitere fünf. Ich sitze immer noch da und starre in den Spiegel. Welcher Tag ist heute eigentlich? Ein halbes verdammtes Jahr ist vorbei und du hast mich noch immer in deinen Klauen und machst mit mir was du willst. pls, let me go.