Montag, 21. Mai 2018

DIE DÄMMERUNG

-  atmen!  - 

Meine Hände zittern. Ich stütze mich am Schrank hinter mir ab, gehe langsam zu Boden.
Ich schlage meine Augen auf und sehe nicht mein Zimmer, sondern nur deine Arme, wie sie mich umgreifen, mir meine Freiheit nehmen. Meine Hände sind zusammen gefaltet im Nacken, ich wippe langsam vor und zurück. Alles was ich erfolgreich weggesperrt hatte, kommt nun aus den dunkelsten Ecken gekrochen und verpestet meinen Geist.

- atmen! -  
Mir wird übel, ich schnappe nach Luft.
Ich schließe die Augen und sehe dieses Dämmerlicht vor mir. Höre wieder dein Keuchen hinter mir, spüre deine Hände auf mir.  Mein verzweifeltes "Nein!" wird im Kissen erstickt. Du ergreifst meine Haare und zerrst sie nach hinten. Meine Kehle liegt frei. Ich ergreife die Matratze, versuche mich wegzuziehen, doch du lässt dies nicht zu. Du packst mich fester, drückst dich gegen mich. Ich versuche deine Hände, deine Arme zu ergreifen, sie zu packen und von mir wegzuschlagen. Doch du bist jedes Mal schneller. Oder ich bin zu langsam. "Bitte, ich will nicht!" - Stille. Ich werde nicht erhört.
- atmen! - 

Und im nächsten Moment tust du es. 
Du dringst in mich ein, nimmst auch noch die Hintertür, statt die Vordertür. Du weißt, dass ich das ablehne. 
Der Schmerz raubt mir den Atem. Ich verkrampfe, wimmere und stöhne auf vor Schmerz. Doch du nimmst dieses Geräusch als Anreiz um schneller zu werden, fester und härter. Der Schmerz explodiert, mein Blick verschwimmt. Aus Minuten werden Jahrzehnte. 

- atmen! - 

Ich bin vom Schmerz gelähmt. Mein Kopf sinkt nach vorne, meine Augen verdrehen sich. Die nackte, weiße Wand vor mir. So nackt wie ich. Du hast deinen Spaß, hälst mich gefangen und zerstörst mich. Ich wimmere weiter, werde lauter. Und du erlöst mich nicht, sondern wirst immer schneller und härter. 
- atmen! -

Du bist fertig. Du stehst auf und lässt mich wortlos liegen. Ich bin noch immer unfähig mich zu bewegen, aber nun, weil du mir all' meine Kräfte genommen hast. Du hast mich gebrochen. Meine Augenlider sind halb geöffnet. Dämmerlicht. Diese kalte, weiße, nackte Wand. Du hast mich zerstört. Ich höre das Plätschern im Badezimmer. Mein Atem geht schwach. Der Schmerz umhüllt mich. Und eine einzelne Träne tropft auf das schweißnasse Lacken.

Und ich dachte du liebst mich.




Sonntag, 20. Mai 2018

GLASHAUS

Alles genommen, doch den Schmerz gelassen.

Lieber A.,

du gabst mir ein neues Leben, eine Chance zu heilen. Doch ich wusste nicht, dass ich nun, nach langen drei Jahren, Morgens in den Spiegel sehen werde und mich selbst nicht mehr finden kann. Ich dachte du wärst mein Fels, mein Licht im Dunkeln. Doch ich war im Erkennen nicht schnell genug, denn du warst die Last die mich erdrückte, und das Feuer das mich verzehrt hatte.
Gefangen in eigens ausgedachten Normen hast du mich zu etwas geformt, welches ich nun nicht mehr zu ordnen kann.
Du nahmst mich, drehtest, zogst mich und musstest am Ende feststellen, dass ich in deiner Realität nicht existieren kann. Du warfst mich weg. Und ich wehrte mich nicht mehr, denn du hattest mir all mein Blut genommen.
Und nun bin ich hier - getreten und zurück gelassen. Ich sehe zu wie du dein Leben neu ordnest, ins Materielle abstürzt und mit deinem neu erkauften Luxus prahlst. Und mir tut jeder einzelne Atemzug weh.
Ich vermisse mich. Sag mir, wo bin ich nun?

Und nun stürze ich wieder in dieses dunkle Wasser und sehe die Sonne nicht mehr.