Mittwoch, 31. Oktober 2012

KALTE GEBURTSTAGSMINUTEN

Heute ist ein besonderer Tag, das merke ich. Es ist noch früh und das wenige Morgenlicht dringt durch die Spalten des Rolladens. Schnell wecke ich meinen Bruder auf. "Hey, wir haben heute Geburtstag!", raune ich ihm aufgeregt zu, als er völlig schlaftrunken die Augen aufschlägt. Ich habe Damals nie auf das Datum geachtet, doch ich wusste: Heute war der neunzehnte Oktober! Bald sehen wir durch das Glas von der Tür im Flur, wie das Morgenlicht auch das Wohnzimmer meiner Oma erreicht. Ihr Schatten bewegt sich in Richtung Küche, sowie der Schatten ihres Hundes. Langsam schleichen mein Bruder und ich uns zu der Tür im Flur. Angst kriecht ihn mir hoch, weil wir Ärger kriegen könnten weil wir einfach aufgestanden sind. Doch sofort wird meine Sorge durch die Vorfreude überdeckt, denn wir hatten heute ja schließlich Geburtstag! Dicht aneinander gedrängt linsen wir durch den kleinen Spalt in der Tür, nachdem wir sie langsam geöffnet haben. Unsere Oma ist immernoch in der Küche. Schnell und gleichzeitig auch leise, schleichen wir uns in den ersten Flur und schauen unsere Oma mit großen, hoffnungsvollen Augen an. Erst als der Hund uns freudig begrüßt wird sie auf uns aufmerksam. Doch anstatt einer liebevollen Umarmung, einem schön gedeckten Geburtstagstisch, einem "Alles Gute zum Geburtstag" und Geschenken, gibt es nur ein genervtes Knurren aus den Tiefen ihres Brustkorbes zu hören. Dieser Umstand irritierte mich zuerst, doch gab mir keinen Grund nicht mehr voller Hoffnung grinsend im Flur zu stehen. - genauso wenig wie meinem Bruder. "Was ist?", fragt meine Oma uns genervt, als sie nach einiger Zeit bemerkt, dass wir immernoch an derselben Stelle stehen und sie wie einen rosa Elefanten begaffen. "Welcher ist heute?", frage ich meine Oma, um ihr klar zu machen was hier überhaupt los ist. "Den neunzehnten.", brummt sie genervt. "Und?", kommt es noch genervter aus ihrem Inneren. Hoffnung verdampft in mir, sie hat ihn wirklich vergessen! Und schon kriecht die Angst in mir hoch. Soll ich es ihr wirklich sagen? Wird sie dann uns doch noch etwas schenken, oder wird sie uns anbrüllen und wieder zurück in unser Bett schicken? "Wir haben heute Geburtstag!", rufe ich laut und freudig in die Küche. "Ah.", kommt es von ihr. Jetzt bin ich komplett verwirrt! "Oma, wir haben heute Geburtstag!", wiederhole ich hörbar entrüstet. Langsam schlurft sie in ihr dunkles Zimmer, vor dem ich schon immer Angst hatte. "Jetzt gibt es Geschenke!", flüstert mir mein Bruder aufgeregt zu. Die zehn Sekunden in denen sie in ihrem Zimmer rumraschelt, nutzen mein Bruder und ich voll und ganz um zu diskutieren, was wir wohl bekommen werden. Als wir ihren dunkelgrünen Bademantel sehen verstummen wir. In den Händen hält sie zwei Plastikbecher die einen Hohlraum haben, in denen sich Wasser mit Glitzer und kleinen Plastikfischen befindet. Die Becher hatte ich einige Wochen zuvor entdeckt, als ich das Zimmer meiner Oma nach Geschenken durchwühlt habe. Und ich dachte, dass diese Becher doch noch nicht alles sein konnten, doch meine Oma zerschlägt die Träume, als sie ohne ein Wort des Glückwunsches an uns vorbei geht. Danke für die Plastikbecher, wäre doch nicht nötig gewesen, Oma! Ich meine, sowas tolles habe ich noch nie bekommen, so'n Plastikbecher.

Dieser Post wird euch jetzt nicht sonderlich entrüsten oder interessant vorkommen, 
doch Damals verletzte mich diese Situation sehr.

Kommentare:

Sonja hat gesagt…

Danke für deinen Kommentar, aber es handelt sich hier nicht um das Mädchen, das zu Hause misshandelt wird, sondern um eine andere 'Freundin' von mir. Sie behauptet immer, ihr würde etwas wehtun. Irgendwas. Nur um Aufmerksamkeit zu bekommmen - oder so. Am besten immer gleich so laut rumjaulen, dass jeder mitbekommt, dass sie Schmerzen hat... Naja, hat mich halt ein wenig enttäuscht, aber was soll's.

Übrigens: Trauriger Text, ich weiß gar nicht, was ich dazu schreiben soll. Vielleicht auch einfach, weil ich momentan überhaupt gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht, tut mir leid.

lacrima hat gesagt…

oh verdammt... ich sollte mal aufhören mich immer so in alle hineinzuversetzen, ich könnt nähmlich gerade voll heulen...
kommt es dumm wenn ich schreibe, ich kann mir vorstellen wie sich das anfühlt?

N.† hat gesagt…

ich finde es ist egal
ob der text für andere interessant ist oder nicht. es ist eine erinnerung von dir aus deiner kinderheit. sie ist traurig, und ich wünschte deine oma hätte anders gehandelt, hätte euch mit strahlenden augen begrüßt, für euch gesungen, und mit euren geburtstagskuchen gegessen.
ich wünsche
dir liebe, sicherheit und zuneigung.
ich hoffe
du wirst sie in deinen leben bald spüren. du hast sie mehr denn je verdient.